Frage nach Fairness des Welthandels


Mit dem Scheitern der Welthandelskonferenz auf Ministerebene in Cancún hat sich das "Dellbrücker Forum" befasst.

"Wie fair ist der Welthandel?" Um diese Frage ging es beim jüngsten "Dellbrücker Forum" im Gemeindehaus der Christuskirche. Themen waren neben dem Scheitern der WTO-Konferenz im mexikanischen Cancún sowohl der Begriff der Fairness im Zusammenhang mit dem Welthandel als auch die Zukunftsperspektiven.

Matthias Berninger, Grünen-Politiker und Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, warnte vor einer Zerschlagung der WTO, "da diese bilaterale Abkommen vermeidet, durch die wiederum die Ärmsten der Armen am stärksten leiden würden". Rudi Buntzel von Germanwatch - einer Nichtregierungsorganisation, die sich für ein ökologisches Umdenken im Norden einsetzt - zeigte sich von der Politik der Industrieländer enttäuscht: "Die Entwicklungsländer werden im Agrarbereich über den Tisch gezogen, deshalb begrüße ich den gemeinsamen Boy- kott der armen Länder in Cancún." Zudem hätten sich die Industrieländer in ihrer Politik als "aggressive Exporteure" bewiesen.

Die Bauern in Deutschland, so Helmut Born, Generalsekretär des Bauernverbandes, sähen sich in "derselben Interessenlage wie die Bauern der südlichen Halbkugel. Jedoch halten die korrupten Regierungen die Bauern im Süden von ökonomischem Erfolg ab."

Die Exportsubventionen der Industrieländer, die allein in Deutschland vier Milliarden Euro im Jahr betragen, provozierten einen Gegensatz der Meinungen. Sie würden, so Buntzel, " das Gleichgewicht auf dem Weltmarkt zu Gunsten des Nordens verändern". Born jedoch bezeichnete diese Zuschüsse als irrelevant. "Diese vier Milliarden Euro werden nur noch für Milch und Rinderfleisch genutzt. Die Haupterträge des Südens sind davon nicht betroffen." Kontrovers beurteilten die Diskutanten zudem die Zukunftsaussichten der WTO. Born zeigte sich zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres noch ein Kompromiss gefunden werde. Dies sei, so Berninger, auf Grund der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2004 höchst unwahrscheinlich. "Kein Kandidat der Demokraten, und auch nicht Bush, werden auf Stimmen der amerikanischen Bauern zu Gunsten der WTO verzichten." (oo)