Patientenverfügung: Präses plädiert für beratendes Gremium


Köln (epd). Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland,
Nikolaus Schneider, hat sich in der Diskussion über ein Gesetz zu
Patientenverfügungen für individuelle Gremien ausgesprochen. «Bei
einem Patienten, der nicht mehr Herr seines Willens ist und nur durch
Maschinen am Leben erhalten wird, soll ein 'Konsil' zwischen Arzt und
Angehörigen versuchen zu bestimmen, was der mögliche Wille des
Patienten ist», sagte Schneider am Mittwochabend in Köln. Dabei müsse
akzeptiert werden, dass nicht immer die «richtige Entscheidung»
getroffen werde. «Entscheiden müssen die, die ganz nah dran sind.»
Die politische Debatte über Patientenverfügungen muss für den
Theologen eine schwierige Balance anstreben. «Sie muss die
Selbstbeststimmung des Menschen in Einklang bringen mit dem Respekt
vor dem Leben», sagte Schneider auf einer Diskussion in der Reihe
Dellbrücker Forum in der Christuskirche. In Deutschland ergebe sich
schon wegen der NS-Geschichte eine besondere Situation, was den
Umgang mit Sterbenskranken angehe, mahnte Schneider. «Da darf man auf
keinen Fall zulassen, dass es eine Möglichkeit des Missbrauchs gibt.»
Mit persönlichen Worten berichtete Schneider von dem Leukämietod
seiner Tochter. «Wir haben das alles bis zur letzten Sekunde
miteinander durchlitten», sagte er. Auch er selbst habe das
«Tötungsverbot» als Konflikt erlebt, räumte er ein.
Der Chirurg und Chefarzt am Städtischen Krankenhaus Holweide,
Hans-Friedrich Kienzle, sprach sich gegen jedwede gesetzliche
Regelung aus. Die Erfahrungen an seinem Krankenhaus zeigten, dass
eine Berücksichtigung von Patientenverfügungen problemlos möglich
sei. Voraussetzung sei allerdings, dass Verfügung möglichst aktuell
verfasst sind. Kienzle nannte das Beispiel eines Tumorpatienten,
dessen Verfügung drei Wochen alt war.
Die Abgeordneten des Bundestages müssen demnächst ohne Fraktionszwang
über zwei Gesetzentwürfe beraten. Der eine zielt vor allem auf ein
Tötungsverbot und den Schutz des Lebens ab. Der andere stellt das
Selbstbestimmungsrecht des Patienten in den Mittelpunkt.
(d52419/31.5.2007)
epd-West ran fri