Background von Ralf Jäckel

USA im Wahlkampf:
Wer hat die größeren Chancen - Bush oder Kerry?

Vorschlag zur Anmoderation:
Noch knapp sechs Monate, dann ist es in den USA soweit. Die Wahl im
November wird entscheiden, ob der Republikaner Georg W. Bush Präsident
bleiben darf oder der Kandidat der Demokraten, John Kerry, ins Weiße
Haus einzieht. Der Wahlkampf jedenfalls ist längst in vollem Gange.
Ralf Jäckel hat sich bei deutschen und US-amerikanischen Experten
umgehört, wie sie die Chancen der beiden Kandidaten einschätzen.

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Es wird eng im Kampf um die amerikanische Präsidentschaft. Da sind
sich alle aktuellen Wahlumfragen in den USA einig: Sie sehen ein
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen George W. Bush und seinem Herausforderer
John Kerry. Schon bei der letzten Wahl vor vier Jahren sorgten
letztlich nur ein paar tausend Stimmen für die Entscheidung. Und knapp
dürfte es auch diesmal werden, meint Jackson Janes - Professor an der
John Hopkins Universität in Washington. Er geht aber davon aus, dass
sich Bush am Ende doch gegen seinen Konkurrenten durchsetzt.

O-TON 1 - Jackson Janes, deutsch:

"Zunächst einmal, weil er Präsident ist. Er hat den White-House-Bonus.
Zweitens, weil Kerry nicht so bekannt ist in Amerika. Er war Sieger in
der Kampagne um die Nominierung. Aber er muss erst zeigen, was er
will, was er kann. Und drittens, weil er aus Massachusetts kommt. Das
ist für viele Leute im Südwesten ein rotes Tuch. Im wahrsten Sinne des
Wortes. Er ist einen sehr liberalen Weg gegangen im Senat. Das kommt
bei den Leuten nicht gut an."

Einer der Hauptpunkte, die über den Wahlausgang entscheiden werden sei
die Wirtschaft. Davon ist Janes überzeugt. Bisher galt in den USA fast
immer: Wenn die Wirtschaft halbwegs gut läuft, wird der Amtsinhaber
wiedergewählt. Zwar klaffen in den öffentlichen Haushaltskassen
Milliardenlöcher, aber die Wirtschaft wächst. Der Internationale
Währungsfonds (IWF) erwartet für die USA in diesem Jahr sogar das
stärkste Wachstum seit 20 Jahren. Außer der Wirtschaft dürfte nach
Janes´ Meinung aber noch ein anderes Thema den Wahlausgang
entscheidend beeinflussen: Der Krieg im Irak.

O-TON 2 - Jackson Janes, deutsch:

"Die Leute werden betroffen von diesem Krieg. Im wahrsten Sinne des
Wortes. Und es gibt ein Unbehagen: Wie lange geht das denn noch? Wir
haben gedacht: Das geht so schnell. In drei Wochen haben wir das
fertig. Was ist denn jetzt hier? Was ist denn los? Warum sind unsere
Leute denn noch am Sterben? Also insofern: Das Thema wird da sein. Die
Frage ist, ob es zu Gunsten von Bush oder Kerry ausgeht."

Ob Präsident oder Herausforderer - Experten vermissen bei beiden ein
Konzept, wie es im Irak weiter gehen soll. Andreas Zumach beobachtet
seit Jahren die Politik der UN und die Außenpolitik der USA. Und er
macht sich große Sorgen, denn für ihn steht fest: Sollte Bush, wie er
vermutet, die Wahl gewinnen, wird sich die US-Außenpolitik keineswegs
zum Besseren wenden.

O-TON 3 - Andreas Zumach, deutsch:

"Meine größte Befürchtung ist, dass der Konflikt mit der arabischen
Welt, der islamischen Welt - der seit dem 11. September wesentlich
eskaliert worden ist - völlig außer Kontrolle gerät. Dass wir in einen
noch schlimmeren Kreislauf kommen von Terror, Gegenterror,
militärische Maßnahmen, Gegenterror - immer weiter eskalierenden
Feindbildern, und dass das uns eines Tages völlig außer Kontrolle
gerät."

Um das zu verhindern, setzen einige deutsche Politiker auf Kooperation
mit den USA - so wie Dietmar Nietan. Er sitzt für die SPD im deutschen
Bundestag. Für ihn gilt: Egal, wer die Wahl gewinnt, wichtig sei, dass
die Deutschen mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten - Trotz
aller Streitigkeiten um das richtige Vorgehen im Irak-Konflikt.
Dietmar Nietan ist überzeugt, dass sich das Verhältnis beider Länder
wieder bessern wird.

O-TON 4 - Dietmar Nietan, deutsch:

"In meinen Gesprächen in Washington erkenne ich, dass man auf die
Deutschen auch setzt. Nicht, weil man in Amerika alles richtig findet,
was wir machen, sondern weil man uns schon zutraut, ein wichtiger
Partner trotz aller Differenzen zu sein. Und jetzt, glaube ich, können
wir das beste tun, indem wir konkrete Vorschläge machen, und eben
unsere Partner auf der anderen Seite des Atlantiks nicht enttäuschen,
indem wir nur kritisieren und nicht konkret sagen, was wir wollen."

Konkret schlägt der SPD-Politiker vor, den Aufbau im Irak auf
möglichst vielen Schultern zu verteilen. Auch die arabischen Staaten
der Region müssten in die Lösung des Konflikts einbezogen werden. Eine
Perspektive auf Frieden in Irak - das dürfte auch den Wählern in den
USA gefallen. Fragt sich nur, wem sie die Kompetenz dafür zutrauen:
Bush oder Kerry.