Diskussion im Dellbrücker Forum: "Alles Lüge? Der Krieg und die Medien" von Jochen Pahl

Länge: 3:00 min.

 

 

Anmoderation

Beitrag/Sprecher: Jochen Pahl

 

Ob wirklich „alles Lüge“ ist, wenn der Krieg und die Medien Thema sind, wollte ein Streitgespräch im Rahmen des Dellbrücker Forums in der Christuskirche klären. Jochen Pahl war für uns vor Ort und hat mit den Teilnehmern der Runde gesprochen.

 

 

Sprecher: Ein Krieg im Irak droht und wir sind live dabei! Erwarten uns wieder grünstichige Nachtbilder, wie im ersten Golfkrieg? Eines ist auf jeden Fall klar: Die Kontrolle der öffentlichen Meinung gehört zu den wichtigsten Zielen aller Konfliktparteien.

Im Dellbrücker Forum, einer regelmäßig stattfindenden Diskussionsveranstaltung in der Dellbrücker Christuskirche, trafen sich zum Thema "Alles Lüge? Der Krieg und die Medien" ein hoher Militär und drei Medienprofis.

 

O - Ton (General W. Jertz): Ein vertrauensvoller Informationsaustausch, dass die Medien, nicht den Eindruck erwecken, dass sie von vornherein, wenn ein Uniformierter eine Sache sagt, dass dieses eine Manipulation beeinhaltet oder eine Lüge.

 

Sprecher: So definiert General Walter Jertz, Befehlshaber der Luftwaffe, der während des Kosovokriegs der militärische Sprecher der NATO war eine gelungene militärische Öffentlichkeitsarbeit.

 

Für Sonia Mikich, die Leiterin der MONITOR-Redaktion beim WDR Fernsehen, gehört eine gesunde Portion Skepsis bei jedem öffentlichen Briefing durch Militärs dazu. Ihr Credo lautet:

 

O - Ton (S. Mikich): (...) sich selber 'nen Kopf machen und vor allen Dingen vor Ort sein. Ich find' das eine absolute Primärtugend und nicht zu  unterschätzen, wenn ein Korrespondent, ein Reporter vor Ort ist, und Reporter-Arbeit ist Beinarbeit.

 

Sprecher: Bernd Gäbler, Medienwissenschaftler und Chef des Adolf - Grimme - Instituts beklagt außerdem in den Medien eine Gier nach Aktualität, die Hintergrundwissen verdrängt. Er sieht in der Berichterstattung eine unerfreuliche Zwangslogik zur Eskalation.

 

O - Ton (B. Gäbler): Ich bin eben für Kontexte, Einbettung in Zusammenhänge; das kann in der selben Sendung sein, wie die Nachrichten, kann auch auf anderen Programmplätzen sein. (...)

Ich möchte einen deeskalierenden Journalismus auch haben.

 

Sprecher: Gerade das Medium Fernsehen verführt leicht dazu, in ein simples Schwarz-Weiss-Denken zu verfallen. Dazu Sonia Mikich:

 

O - Ton (S. Mikich): Es ist einfacher zu personalisieren, es ist wunderschön zu personalisieren: George W. Bush gegen Saddam, ja. Das Kapiert jeder. Sharon gegen Arafat. Aber die Strukturen oder: das System gegen das System, das ist nicht sehr fernsehtauglich. Fernsehen möchte gerne vereinfachen. Schwarz - Weiß, er gegen den, schnelle Lösungen, einfache Fragen. Ich wünsche mir beim Fernsehen insbesondere mehr Grautöne.

 

Sprecher: Arnd Henze, der Moderator des Dellbrücker Forums und WDR Fernsehredakteur will die Öffentlichkeit sensibilisieren und zur Medienkritik anregen. Ist für ihn denn Objektivität das Ziel der Kriegsberichterstattung?

 

O - Ton (A. Henze): Objektivität ist vielleicht das falsche Wort: Distanz. Ich denke es gibt für mich nur eine legitime Parteinahme und die Parteinahme ist für Menschenrechte. Das heißt: wenn ich einen menschenrechtlichen Ansatz habe, um auf Konflikte, wo immer sie sind zu achten, dann werde ich keinen natürlichen Verbündeten bei den Kriegsparteien haben, sondern ich werde allen Kriegsparteien  mit 'nem Misstrauen, mit einer Distanz begegnen und werde sie daran messen, was sie tun, um diese Menschenrechtsverletzungen, die Krieg an sich ja schon bedeutet, möglichst schnell zu Ende zu bringen.