Die Ökumene kommt von unten
Das Dellbrücker Forum zeigte ein Stimmungsbild an der Basis

Katholiken und Protestanten finden etliche Gelegenheiten, um ihren Glauben
gemeinsam zu leben.


VON KIRSTEN BOLDT

 

„Die Ökumene kommt von unten. Die Zeit ist da“, brachte eine Frau aus dem Publikum die Grundstimmung in der Christuskirche auf den Punkt. „Ich hoffe es noch zu erleben, dass wir christliche Gemeinden haben.“ Auf Entscheidungen von „oben“ warten offensichtlich nicht wenige der 160 Anwesenden schon länger nicht mehr; freimütig berichteten Protestanten und Katholiken, Pfarrer und Priester von ihren ökumenischen Aktionen: gemeinsames Abendmahl im Wohnzimmer, Kindstaufen mit Katholiken und Protestanten, vom überwältigenden Gemeinschaftsgefühl eines Protestanten mit Katholiken in Rom, vom gemeinsam begangenen Taizé-Tag, dem der Kardinal das katholische Gotteshaus verweigerte und der dann in einer evangelischen Kirche gefeiert wurde.

Gemäß dem Motto des kommenden Evangelischen Kirchentags „Lebendig, kraftvoll und schärfer“ sollte es auf dem „Dellbrücker Forum“, einer Veranstaltungsreihe in der Christuskirche, zugehen. Ganz bewusst lautete die Fragestellung dazu „Welche Ökumene wollen wir?“ Innerkirchliche Nabelschau sollte nicht betrieben werden.

„Wir können gar nicht anders als ökumenisch“, sagte Franz Meurer, katholischer Pfarrer von Höhenberg und Vingst und bekannt für seine soziale Tatkraft. Das Sternsingen, der gemeinsame Kirchenchor, die alljährliche Ferienmaßnahme Hövi-Land für 500 Kinder: „Die Praxis muss entscheiden.“ Als Pfarrer wolle er Menschen in ihrem eigenen Glauben wachsen lassen: „Wir müssen dafür sorgen, dass Religion positiv rüberkommt.“

Damit könnten sich die Theologen nicht anfreunden, dass es so einfach sein soll, gab Joachim Frank, katholischer Theologe und stellvertretender Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“, zu bedenken. „Da geht es um den Papst, darum, ob das Brot der Leib Christi ist. Da spielen Interessen und damit Machtinteressen eine Rolle.“

Doch wie diese Machtinteressen aushebeln? Mit der Idee, einfach die theologischen Streitigkeiten beiseite zu lassen und soziale Probleme gemeinsam anzupacken, stoße man auch an Grenzen, berichtete Stadtsuperintendent Ernst Fey: „Dann kommen wir zur Stellung der Frau, zu Schwulen und Lesben, und dann wird es wieder schwierig.“

Eine weitere Möglichkeit wäre der konfessionsübergreifende Einsatz für bestimmte Themen. Doch was sind denn derzeit Themen der Kirche, die bewegen, fragte sich Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentags. „Was in den 70er Jahren aktuell war - Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden -, was ist daraus geworden? Beschäftigen wir uns zu viel mit unserem eigenen Überleben als Kirchen?“

Durch einen 60-Prozent-Anteil muslimischer Jugendlicher in Köln könnten Christen gar nicht anders, als sich ihres Glaubens bewusst zu werden, meinte Meurer. Da könnten die beiden Konfessionen auch selbstbewusst sein, warf Frank ein. „Christen schlagen sich nicht mehr die Köpfe ein.“ Diese gemeinsame christliche Grunderfahrung der Toleranz, so Ueberschär, „die wollen wir nicht aufgeben und als historische Erfahrung weitertragen.“