Von KVB bis Weltpolitik

 

Im "Dellbrücker Forum" können Bürger mit Politikern über aktuelle Themen diskutieren

 

von MARIELE HAUSWIRTH

 

DELLBRÜCK. "Was hält Europa zusammen?" Eine Frage, die auch im "Dellbrücker Forum" nicht restlos geklärt werden konnte. Aber man gab sich Mühe: Rund 300 Gäste verfolgten in der Christuskirche ein Streitgespräch zwischen Daniel Cohn-Bendit, Fraktionschef der Grünen im Europa-Parlament, und CDU-Außenpolitiker Karl Lamers. Moderiert wie üblich von Arnd Henze, seit 2002 stellvertretender Auslandschef des WDR. Er hat vor zwölf Jahren das Dellbrücker Forum ins Leben gerufen.

 

Die Themenwahl ist offen. Mal wird über außen- und gesellschaftspolitische Themen diskutiert, mal über lokale Ärgernisse. Ob Streit um die Buslinie 154 oder das Weltklima: Es gilt, Anregungen zur Diskussion zu liefern. Mit Unterstützung des evangelischen Pfarrers Otmar Baumberger aus der Christusgemeinde hat sich das Forum mittlerweile als feste Einrichtung etabliert.

 

Der Beitritt der Türkei und der Ukraine zur Europäischen Union standen neben der neuen EU-Verfassung im Mittelpunkt des jüngsten Streitgesprächs. Mitunter, etwa bei der Diskussion Lamers/Cohn-Bendit über die Zukunft Europas, fallen die Ansichten gar nicht so unterschiedlich aus, wie erwartet. Fast immer aber kommt es zu angeregten Diskussionen mit dem Publikum - es besteht eben nur selten die Möglichkeit, derart direkt mit "Personen der Zeitgeschichte" zu diskutieren.

 

Ob Monitor-Moderatorin Sonia Mikich, Staatssekretär Matthias Berninger, Ministerin Bärbel Höhn, Präses Manfred Kock oder Ex-Nationaltrainer Rudi Völler - Henze hat sie alle vors Mikro bekommen. "Besondere Abende", erzählt Henze, "waren für mich immer diejenigen, an denen Menschen miteinander reden, die sonst nicht zusammen an einem Tisch sitzen würden." Etwa während des Irak-Krieges, als die Zusammenarbeit des "Dellbrücker Forums" mit dem Amerikahaus manches Gemüt erhitzte: Kriegsgegner trafen auf Kriegsbefürworter. Oder die Globalisierungs-Debatte, bei der führende Angestellte des Bayer-Konzerns und Globalisierungsgegner von "Attac" miteinander diskutierten.

 

Trotz mitunter großer Spannungen legen alle Beteiligten Wert darauf, ein bestimmtes Niveau zu halten. "Respekt vor dem anderen - selbst dann, wenn die Meinungen weit auseinander gehen. ", sagt der 43-Jährige. Nach der zweistündigen Debatte sind alle eingeladen, in die Kneipe nebenan umzuziehen und weiter zu debattieren, wenn Bedarf besteht.