Der Nahe Osten nach dem Krieg - Sieg oder Frieden?

"Bei der Vorgeschichte des Irak-Krieges von 2003 fällt auf, dass die Politik der US-Administration mit sehr unterschiedlichen und wechselnden Argumenten und Zielformulierungen operierte. So wurde - insbesondere nach dem 11. September 2001 – mit dem Argument einer angeblichen Verbindung des Irak zum internationalen Terrorismus und insbesondere Usama Bin Ladin operiert, so von Vizepräsident Cheney im August 2002. Solche Argumente wurden bald darauf zurückgezogen, weil auch die CIA keine ernsthaften Belege finden konnte. Schließlich wurde in der Schlussphase der Kriegsvorbereitung das Argument wieder in den Vordergrund gerückt, obwohl es noch immer keine Bestätigung dafür gab, so etwa in US-Außenminister Powells Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat im Februar 2003", Dies ist ein Zitat aus Jochen Hipplers Aufsatz "Der Weg in den Krieg – Washingtons Außenpolitik und der Irak".

Der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Hippler wird am 8. Mai um 20 Uhr zu Gast im "Dellbrücker Forum" sein, wenn es um den "Nahen Osten nach dem Krieg" geht. Die Frage ist: "Sieg oder Frieden?". Ort ist das Gemeindehaus Christuskirche, Dellbrücker Mauspfad 345.

Neben Hippler werden an der - sicher wieder wie gewohnt lebhaften Diskussion im Dellbrücker Forum unter Leitung von WDR-Journalist Arnd Henze (Foto),  dem stellvertretenden Auslandschef des WDR - außerdem noch Elias Bierdel und Walter Stützle teilnehmen. Stützle war der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI und danach Staatssekretär im Verteidigungsministerium, jetzt in Ruhestand.

Der 42-jährige Journalist Bierdel war zuletzt als Hörfunk-Korrespondent der ARD in Südosteuropa unterwegs. In Bosnien, im Kosovo und in Mazedonien lernte er die Arbeit von Cap Anamur kennen. Mittlerweile ist er Vorsitzender des Komitees "Cap Anamur", seit 2002 dort auch Projektmitarbeiter für Afghanistan. Bierdel umschreibt seine Position selbst ganz klar: "Als Reporter in Krisengebieten mußte ich oft über die Not der Menschen berichten. Ich habe die Helfer bewundert und beneidet, die selbst etwas gegen das Elend tun konnten, anstatt nur darüber zu reden. Jetzt werde ich alle meine Kraft einsetzen, damit diese Arbeit so weitergehen kann, wie ich sie kennengelernt habe: Unbürokratisch, mutig, effektiv, schnell und unabhängig."

Doch am 8. Mai wird es in Dellbrück wahrscheinlich eher um jene Voraussetzungen gehen, die solche Hilfe für in Not geratene Menschen erst notwendig macht: um den Krieg. Noch einmal Jochen Hippler, der in seinem Aufsatz "Das Problem von Krieg und Frieden im Nahen und Mittleren Osten - vor dem Irak-Krieg", geschrieben im Januar/Februar 2003 im Auftrag von Greenpeace, feststellte: "Wenn ökologisch bedingte Ressourcenverknappung eintritt (etwa die landwirtschaftliche Nutzfläche sinkt, weil global warming die Wüstenausdehnung noch anheizt), dann entsteht politischer und sozialer Druck, der Gewalt auslösen oder anheizen kann. Oder: wenn externe, oft weit entfernte Mächte zur Gewinnung von Einfluss oder Ressourcen lokale Konflikte anheizen oder für sich ausnutzen, Waffen und Geld liefern oder eigene Truppen entsenden, dann kann aus einem kleinen Feuer leicht ein Steppenbrand werden, der kaum noch zu löschen ist. Lokale und internationale Konfliktursachen gehen also meist Hand in Hand und verstärken sich gegenseitig – und während bei der Behandlung rein lokaler Probleme externe Akteure oft hilflos sind, können sie die internationalen Faktoren oft besser beeinflussen, zumindest prinzipiell."

Wer also hat im Irak-Krieg gesiegt - und ist es realistisch, jetzt schon über die Zeit des Friedens nachzudenken?