Kölner Stadtanzeiger vom 20.3.2004

"Kopftuch, Kreuz und Kipa"

Wolfgang Bosbach, Manfred Kock, Micha Guttmann und Nadja El-Ammarine
diskutierten, ob muslimische Lehrerinnen im Unterricht ein Kopftuch tragen
dürfen oder nicht.

VON ALINA FICHTER

Nicht nur der Pfarrer freut sich über eine volle Kirche. Auch WDR-Redakteur
Arnd
Henze war beeindruckt vom großen Interesse am "Dellbrücker Forum", das er in
der evangelischen Christuskirche moderierte. Rund 300 Besucher waren zum
Streitgespräch mit dem Thema "Kopftuch, Kreuz und Kipa: Wie viel Religion im
Staat?" gekommen. Für Micha Guttmann, ehemaliger Generalsekretär des
Zentralrats der Juden, war die Antwort klar: Kopftücher haben im
Staatsdienst nichts verloren. Ebenso wenig wie andere religiöse Symbole.
Manfred Kock, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, war anderer Ansicht: "Ich
habe nichts dagegen, dass Lehrer ihre Weltanschauung öffentlich zeigen,
solange dabei keine Religion privilegiert wird."

Die syrisch-stämmige Frauenrechtlerin Nadja El-Ammarine ging noch einen
Schritt weiter: "Würde ich mit meinem Kopftuch als Lehrerin arbeiten, könnte
ich an der Schule Ansprechpartnerin für Muslime und Christen sein und die
Kommunikation zwischen beiden Seiten erleichtern." Für sie sei das Kopftuch
Kleidungsstück, kein politisches Instrument. Der stellvertretende
CDU/CSU-Experte Wolfgang Bosbach widersprach ihr energisch: Das Tuch sei
Symbol für die Unterdrückung der Frau. "Außerdem grenzt sich jede
Kopftuchträgerin bewusst von der deutschen Mehrheitsgesellschaft ab." Damit
erschwere sie die eigene Integration.