Kock: Kein Unterschied zwischen Kreuz und Kopftuch
 
Köln (epd). Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in
Deutschland, Manfred Kock, sieht keinen prinzipiellen Unterschied
zwischen dem muslimischen Kopftuch und dem christlichen Kreuz als
religiösen Symbolen. «Entscheidend sind die Menschen, die das
Kopftuch tragen», sagte Kock auf einer Podiumsdiskussion am
Donnerstagabend in Köln. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang
Bosbach hingegen sprach sich für ein Kopftuch-Verbot im öffentlichen
Dienst aus. Die muslimische Frauenrechtlerin Nadja El-Ammarine
plädierte für den Erhalt jedweder religiöser Symbole. Für eine
völlige Trennung von Religion und Staat sprach sich der jüdische
Publizist Micha Guttmann aus.
 
Kock betonte, er halte es für problematisch, aus dem Tragen von
religiösen Symbolen einen «Generalverdacht» abzuleiten. Wenn die
Menschen sich zu der deutschen Verfassung bekennten, dürfe dem nichts
entgegen stehen, sagte der ehemalige rheinische Präses. «Artikel vier
des Grundgesetzes garantiert Glaubensfreiheit, und daran wird sich
messen, was in unserem Staat künftig sein kann.» Nur eine völlige
Trennung von Religion und Staat wie in Frankreich ermögliche die
Abschaffung jeglicher Symbole im öffentlichen Dienst. «Doch wir
brauchen individuelle Wertezeichen als Gestaltungselement im Staat»,
betonte er.
 
Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Bosbach nannte das
muslimische Kopftuch ein «sichtbares Zeichen der Abgrenzung von der
deutschen Gesellschaft». Das religiöse Symbol habe er nicht zu
kommentieren, sagte er. Als politisches Symbol hingegen dürfe das
Kopftuch nicht bagatellisiert und daher beim Ausüben öffentlicher
Ämter nicht getragen werden. Bosbach verwies auf islamische Länder,
wo die Verschleierung von Frauen ein Ausdruck ihrer Unterdrückung
sei. «Das widerspricht der deutschen Verfassung.»
 
Die Frauenrechtlerin El-Ammarine nannte es eine «eurozentristische
Arroganz», jeder Muslima mit Kopftuch eine politische Haltung oder
Unterdrückung zu unterstellen. Als Sozialpädagogin des islamischen
Frauenzentrums in Köln werde sie täglich damit konfrontiert, wie weit
Ideologie und Lebenspraxis auseinander klaffen könnten. Als
Kopftuchträgerin und Schülerin einer katholischen Ordensschule
plädiere sie für religiöse Symbole im öffentlichen Raum. Demokratisch
orientierte Muslima könnten so Vorbilder sein.
 
Eine völlige Beseitigung religiöser Symbole im öffentlichen Raum
wünschte sich der jüdische Publizist Micha Guttmann. Nur so könne bei
staatlichen Entscheidungen eine Beeinflussung ausgeschlossen werden,
sagte er. Ein laizistischer Staat vermeide eine individuelle
Überprüfung seiner Staatsdiener. «Ich will keinen Schnüffelstaat, der
gläubigen Menschen intime Fragen stellen muss.» (r30772/19.3.2004)
 
epd-West fri ros