Weg zum Frieden oder „drittes Trauma“?

Das Dellbrücker Forum diskutierte über geplante Bundeswehreinsätze im Kongo und in Sudan

 

In der Dellbrücker Christuskirche diskutierten Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele, Vertreter der UNO, der Bundeswehr und rund 300 Gästen den geplanten Einsatz der Bundeswehr im Kongo. Das Dellbrücker Forum der  Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Dellbrück/Holweide, das ganz bewußt in diesem kirchlichen Rahmen regelmäßig  kontroverse außen-, innen- und gesellschaftspolitische Themen  zur Sprache bringt, hatte  zum 13. Mal zu einem Streitgespräch eingeladen, Thema: „Kongo und Sudan – Truppen für den Frieden?“. Moderiert wurde die Diskussion wie immer von dem WDR-Journalisten Arnd Henze, Sonder-Korrespondent für USA und UNO.

 

"Blut an den Fingern"
„Jeden Tag sterben 1.200 Menschen an den Folgen des Krieges.“ Bettina Luescher kennt den Kongo aus ihren Einsätzen für das UN World Food-Programm und als ehemalige CNN-Reporterin. Grausame Bilder der Realität beschrieben auch die anderen Gäste: „Von einer „zutiefst korrupten Regierung“ und einer „völlig herunter gewirtschafteten Infrastruktur“ berichtete Bundestagsabgeordneter Christian Ströbele. Noch vor zwei Wochen war der Grünen-Politiker im Kongo, um sich über die Zustände zu informieren. Auch für die Zeit nach den bevorstehenden Wahlen im Kongo am 30. Juli sehen die Gäste nicht direkt den Aufbruch in eine freie Demokratie: „Die aussichtsreichsten Kandidaten haben jede Menge Blut an den Fingern kleben.“

Warum ein Bundeswehreinsatz?
Barbara Mück bereiste ebenfalls mehrfach den Kongo. Als Ethnologin bereitet sie für die Bundeswehr den Einsatz vor. Bundstagsabgeordneter Karl-Georg Wellmann stimmte zu: „Die Vorstellung, dort eine Demokratie zu etablieren, ist ein Irrtum.“  Warum also ein Bundeswehreinsatz? „Das Trauma von Somalia und das Trauma von Ruanda“ habe die internationale Staatengemeinschaft ja bereits erlebt, führte Henze ins Thema ein. Zur Erinnerung: In Somalia wurden erschreckend hilflose UNO-Truppen von den rivalisierenden Warlords als Spielball ihrer Machtkämpfe benutzt. In Ruanda wurden die Blauhelme sogar von den Vereinten Nationen abgezogen, bevor ein grausamer Völkermord begann.

"Eine schlechte Ordnung ist besser als gar keine"
Am 1. Juni entscheidet der Deutsche Bundestag nun über eine Entsendung von rund 400 Bundeswehrsoldaten in den Kongo. Sie sollen die ersten freien Wahlen am 30. Juli absichern. Insgesamt will die Europäische Union etwa 1700 Soldaten in den zentralafrikanischen Staat schicken. Hintergrund ist eine Anfrage der UNO, die das seit sieben Jahren mit einer 17.000 Mann starken Truppe im Kongo engagiert ist.
„Es geht nicht darum, dort Frieden aufzuzwingen“, relativierte Ströbele, der wie sein Kollege Wellmann am 1. Juni für einen Einsatz der Bundeswehr stimmen wird. Doch eine Situation wie in Ruanda will der Parlamentarier nie wieder erleben: „Ich habe mich nie wieder so geschämt“, denkt er an den misslungenen UN-Einsatz zurück.
Die Bundeswehr soll im Kongo lediglich die freien Wahlen sichern, eventuell Wahlhelfer und -beobachter sichern oder evakuieren. Denn dadurch, so war sich das Podium einig, werde eine ruhigere Situation im Land herrschen: „Eine schlechte Ordnung ist besser als gar keine“, so Mück.

"Sie können etwas tun"
Dass sich die Gäste auf dem Podium so einig waren, gefiel nicht allen Gästen in der Christuskirche: „Mir fehlen die Kritiker“, warf eine Besucherin in der folgenden offenen Diskussion ein. Zudem kam die Frage nach einem langfristigen Konzept auf, eine zu geringe militärische Präsenz machte einigen Gästen Angst. „Die freien Wahlen sind die Voraussetzungen für eine vernünftige, soziale Entwicklung“, entgegnete Ströbele und Mück sieht im Bundeswehreinsatz eine sinnvolle Unterstützung der UN-Truppen zur Zeit der Wahlen. „Wir werden auf jeden Fall noch Jahre dort bleiben, wer auch immer die Wahlen gewinnen wird“, so Luescher, die in einem Schlusswort einen Appell an das Plenum richtete: „Sie sind die Weltgemeinschaft, sie können etwas tun.“  Dass das in Dellbrück schon passiert, stellte ein Gemeindemitglied klar. Seit Jahren unterstütze die Gemeinde Dellbrück eine Baptistengemeinde im Osten des Landes, so die Frau.

 

Text: Klaus Pehle