Altpräses Kock: Kirchen sollten weniger um sich selbst kreisen

 Köln (epd). Die Kirchen sollten sich nach Einschätzung des
rheinischen Altpräses Manfred Kock stärker darum bemühen, mehr
Menschen zu erreichen. «Mich ärgert, dass wir 90 Prozent unserer
Arbeit jenen widmen, die bereits zu uns kommen, und nur zehn Prozent
für die übrig bleiben, die vielleicht kommen würden», sagte der
ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) am Montagabend in Köln. Dies liege vor allem an der schwierigen
Finanzlage vieler Gemeinden.
«Unsere Sorgen kreisen nur noch um die Frage: Wie kriegen wir die
Gelder für dieses und jenes zusammen», beklagte Kock. Er riet, in der
gegenwärtigen Arbeitsmarktmisere sollten sich die Kirchen noch
deutlicher als bisher an die Seite derer stellen, «die aus dem System
herausfallen». Es gehe darum, diesen Menschen Trost und Halt zu
geben.
Zudem sollten die Kirchen gegen Strömungen politisch intervenieren,
«die Menschen als Ausschuss betrachten». Kock warnte die
evangelischen Gemeinden davor, in Verteilungskämpfen um die
geringeren Finanzmittel diese diakonische und politische Aufgabe aus
den Augen zu verlieren.
Der frühere Präses der rheinischen Kirche äußerte sich beim
Dellbrücker Forum. Die Podiumsdikussion war Teil des
Jubiläumsprogramms zum 100-jährigen Bestehen der Christuskirche im
Kölner Stadtteil Dellbrück. (d62042/14.6.2005)
epd-West igs igl/jo