Kirche als Ärgernis?, fragt das Dellbrücker Forum

Wann ist Kirche Ärgernis? In vielen Fällen, ist sich Arnd Henze, Motor, Organisator, Moderator, Erfinder und Betreiber des Dellbrücker Forums sicher: "Im Gegensatz zur 'Atommacht Iran', dem Thema des letzten Dellbrücker Forums, ist dies ein Thema, bei dem alle mitreden können. Da sind wir alle Experten."

Wann ist Kirche Ärgernis? In der Tat: In vielen Fällen. Sicher fällt da allen, die bei, mit und für Kirche arbeiten, auf Anhieb etwas ein.

Aber natürlich ist Kirche nicht nur Ärgernis. Auch das reizt Henze an dem Thema: "Endlich mal ein Diskussionsrahmen, in dem Unvereinbarkeiten nebeneinander gestellt werden können."

Statt Jubel-Feier: Stachel im Fleisch
Henze liebt fundierte Diskussionen. Und die sind um so besser, je fachkundiger die Gäste und je kontroverser das Thema ist. Dieses Mal liegt die Kontroverse in den Rahmenbedingungen. Denn der Anlass für Henze, nach der "Kirche als Ärgernis" zu fragen, ist eigentlich das Gegenteil eines Ärgernisses: Die Dellbrücker Christuskirche, in der er seit 1997 das Dellbrücker Forum mit großem Erfolg anbietet, feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Doch sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und sich artig zu bestätigen, wie gut man ist - das ist weder Henzes Stil noch der des Forums. Eine Kontroverse musste her. Und die hat er gefunden. 

Kirche als Ärgernis? Journalistin Mareike Wilms, die beim WDR-Hörfunk beispielsweise für die Kindersendung "Lilipuz" arbeitet, ist jung - und "frech", sagt Henze, der sich für dieses Forum eine "Diskussionsrunde mit Widerhaken" wünscht. Einer, der so lange bei Kirche mit dabei ist wie Manfred Kock, der hat sicher viel zu erzählen über Kirche als Ärgernis. Er ist ebenso Gast am Montag, 13. Juni, um 20 Uhr in der Christuskirche (Bergisch-Gladbacher Str.848) wie Jürgen Flimm.

Jürgen Flimm? Richtig, der Regisseur, Leiter großer deutscher Bühnen, Intendant unter anderem des Hamburger Thalia-Theaters und der RuhrTrienale; ab 2007 wird er die Salzburger Festspiele leiten. Flimm wurde in der Dellbrücker Christuskirche konfirmiert; seine erste Regie-Arbeit war die Inszenierung eines Krippenspiels - richtig: in der Dellbrücker Christuskirche.

Kirche als Ärgernis? Das kann bedeuten: Kirche ärgert mich, behindert mich, begrenzt, oder gar: verletzt mich - persönliches Erleben mit vielen Facetten der Auseinandersetzung. Oder es bedeutet: Kirche stört die trügerische Ruhe, falsche Beschaulichkeit; Kirche ist unbequem und ärgert so die Bequemen, ist Störfaktor politischer und gesellschaftlicher Prozesse, die mit kirchlichem Anspruch unvereinbar geworden sind. Für Henze ist diese Definition von Kirche originäres Erbe kirchlichen Beginns: In der "prophetischen Tradition" sieht er diese Position von Kirche, die heute in Gefahr steht, vergessen zu werden. Mehr und mehr wird der Kirche die Fähigkeit zum gesellschaftlichen oder gar politischen Diskurs abgesprochen, vorbei die Zeiten etwa eines Karl Barth mit seinem "in der einen Hand die Bibel, in der anderen eine Tageszeitung." Doch gerade diese Fähigkeit zur Einmischung ist Grundlage des Dellbrücker Forums und all der kontroversen Themen, die dort in acht Jahren diskutiert worden sind - keineswegs zufällig im kirchlichen Raum. Und diese Fähigkeit zur Einmischung, dazu, gesellschaftspolitisch überhaupt "Ärgernis" werden zu können, ist etwas, das für Henze unabdingbar zur Existenz von Kirche gehört: Den "prophetischen Stachel im Fleisch" nennt er das und meint damit alle Propheten vom Alten Testament bis zu Jesus, die für ihre Zeitgenossen ganz sicher ärgerlich unbequem waren. Weil sie in Frage stellten. Weil sie Fragen stellten. Wie das Dellbrücker Forum.