Kriminologe: Perspektivlosigkeit löst Jugendgewalt aus
 

Köln (epd). Der Kriminologe Christian Pfeiffer sieht die Ursache für
Jugendgewalt in der Perspektivlosigkeit von Jugendlichen. Bei einer
Podiumsdiskussion am Montagabend in Köln erneuerte er seine Kritik am
Schulsystem. Man könne nicht mit zehn Jahren über die Schullaufbahn
entscheiden, da würden Irrtümer zementiert, sagte der ehemalige
niedersächsische Justizminister. «Wir haben heute an den Hauptschulen
eine Zusammenballung von Hochgefährdeten, die sich gegenseitig
runterziehen.» Pfeiffer votierte für die Einrichtung von
Ganztagshauptschulen mit einem breiten Angebot für die Jugendlichen.
Gleichzeitig wies der Direktor der Kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsen auch auf die Auswirkungen von
Fernsehen und Computerspielen hin. «Ein zehnjähriger türkischer Junge
in Dortmund hat einen Medienkonsum von 4,2 Stunden täglich. Ein
Mädchen im gleichen Alter in München kommt auf 57 Minuten», habe er
in einer Untersuchung festgestellt. «Je mehr Fernsehen und PC-Spiele,
umso schlechter die Noten», lautet Pfeiffers Faustregel.
Migrationshintergrund und mangelnde Bildung seien Ursachen für das
Abtauchen in eine Macho-Kultur, in der Begriffe wie «Respekt» und
«Ehre» eine zentrale Rolle spielten.

 

(d41621/17.4.2007)
epd-West ran es