Teheran sucht Sicherheit im Gleichgewicht des Schreckens

Dellbrücker Forum diskutiert friedlichen Ausweg aus dem Atom-Streit.

VON CHARLES THIBO

Köln  Der iranische Exilpolitiker Mehran Barati befürchtet
eine Zuspitzung des Streits um das iranische Atomprogramm. "Die Führung
in Teheran will die Krise auf die Spitze treiben, um möglichst viel
für sich herauszuschlagen", sagte Barati am Mittwochabend in Köln
anlässlich des jüngsten Dellbrücker Forums vor rund 350 Zuhörern.
Eines der zentralen Ziele sei die Anerkennung durch die USA. Derzeit
unterhalten die USA keinerlei direkte Beziehungen zum Iran. Der Kölner
Politikwissenschaftler Thomas Jäger zeigte sich auf der Diskussionsveranstaltung
besorgt, dass die Rechnung nicht aufgehen würde. "Das kann leicht
außer Kontrolle geraten."
Jäger, Barati und auch der Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich
waren sich einig, dass der Iran das Misstrauen geschürt hat, weil
man mittlerweile davon ausgehen müsse, dass das Atomprogramm eine
militärische Komponente habe. "Es würde Sinn machen", sagte Barati.
"Das Land ist auf vier Seiten von Länder mit US-Truppen umgeben, USA
und Israel drohen unter der Hand mit Gewalt." Teheran strebe ein "Gleichgewicht
des Schreckens" an.
Barati fordert daher den Westen auf, dem Iran eine Sicherheitspartnerschaft
anzubieten. An Israel und die USA appellierte er in diesem Zusammenhang,
glaubwürdig zu garantieren, dass sie den Iran nicht angreifen werden.
Das jüngste russische Angebot, den Iran an einem internationalen Projekt
zu Urananreicherung auf russischem Boden zu beteiligen, hält er zwar
für richtig, es sei aber nicht ausreichend, weil es eine atomare Bewaffnung
des Irans nicht verhindere. "Man muss den Iranern erklären, dass man
ihnen das Recht auf die Nutzung der Atomenergie nicht nehmen will,
ihnen aber gleichzeitig klar machen, dass eine atomare Bewaffnung
zu einem Wettrüsten im Nahen Osten und einer weiteren Destabilisierung
führen wird." Barati sprach sich zudem dafür aus, dass die Vereinten
Nationen die Konten führender iranischer Politiker sperren lassen.
Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass die Krise auf friedlichem
Weg gelöst werden muss. "Wir müssen dazu die öffentliche Meinung im
Westen, aber auch im Nahen Osten mobilisieren", sagt Mützenich. Er
hegt die Hoffnung, dass die USA aus dem Irak-Krieg gelernt haben und
die diplomatischen Bemühungen weiter stützen.