Experte: Deutsche Soldaten in den Irak

VON TOBIAS PETER, 26.02.08

Köln - Diese Worte hört in Deutschland niemand gern. „Der Irak braucht eine Stabilisierungstruppe der Vereinten Nationen“, sagt Andreas Zumach, Journalist und Experte für internationale Sicherheitspolitik. „Und ich fände es richtig, wenn Deutschland sich daran beteiligt“, fügt er hinzu.

„Fünf Jahre Krieg im Irak: Wer schafft den Frieden?“ Darüber hat Zumach auf dem „Dellbrücker Forum“ mit dem SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich, dem Bundestags-Fraktionsvize der Grünen, Jürgen Trittin, und dem US-Experten John Hulsman diskutiert.

Zumachs Analyse: Die US-Truppen seien im Irak so verhasst, dass es ohne Abzug keine Verbesserung der Lage geben könne. „Die Amerikaner sind nicht Teil der Lösung, sie sind Teil des Problems“, sagt er. Doch drohe der Irak nach einem Abzug noch tiefer ins Chaos zu stürzen. Eben deshalb sei eine UN-Truppe unverzichtbar, so der Politikexperte, der auch für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ schreibt. „Die Soldaten müssen aus Ländern stammen, die nicht am Krieg beteiligt waren - oder, noch besser, die gegen diesen Krieg waren.“

Trittin und Mützenich teilen Zumachs Problembeschreibung, lehnen aber seine Schlussfolgerungen ab. Ohne die Vereinten Nationen sei eine Zivilisierung des Konfliktes nicht zu erreichen, erklärt Rolf Mützenich. „Dennoch tue ich mich schwer zu sagen, dass deutsche Soldaten an einem UN-Mandat beteiligt werden müssten“, sagt er. „Die Soldaten würden mit Sicherheit in Kämpfe verwickelt.“

Jürgen Trittin vertritt die Auffassung, die Vereinten Nationen könnten einen Einsatz im Irak gar nicht leisten. Bei der bislang größten Blauhelmmission der UN, nämlich jener im Kongo, seien etwa 20 000 Soldaten im Einsatz - für den Irak wäre das Fünffache nötig, sagt er. Der Grüne verlangt: „Die Amerikaner haben diesen Krieg geführt. Sie dürfen nicht gehen, ohne dass eine Lösung zumindest im Ansatz auf den Weg gebracht ist.“

Auch der US-Experte John Hulsman befürchtet, die Amerikaner könnten den Irak zu früh verlassen. „Gerade wenn Barack Obama der nächste US-Präsident sein sollte, wird der Druck seiner Unterstützer enorm sein, möglichst schnell den Abzug zu organisieren“, sagt der amerikanische Politikwissenschaftler. Andreas Zumach beklagt: „Obama hat bislang über den Abzug der Kampftruppen hinaus kein Konzept für den Irak vorgelegt.“

Dafür erhält er viel Applaus von den rund 350 Menschen in der Christuskirche in Köln-Dellbrück, so wie für alle seine amerikakritischen Äußerungen. Doch immer wenn Zumach darüber spricht, wie der deutsche Beitrag für eine Lösung im Irak aussehen sollte, herrscht eine bedrückte Stille.