Trittin glaubt nicht an UN-Friedenstruppe im Irak
 

Köln (epd). Grünen-Vizefraktionschef Jürgen Trittin glaubt nicht,
dass eine UN-Friedenstruppe nach einem möglichen Abzug der
US-Soldaten im Irak zum Einsatz kommt. *Das wird es nicht geben*, sagte
der ehemalige Bundesumweltminister am Montagabend in Köln. Die Vereinten
Nationen wären mit einem Einsatz in der nötigen Größenordnung
überfordert. Stattdessen solle sich die UN mehr für einen Ausgleich
unter den verfeindeten Volksgruppen einsetzen. Ein Abzug der US-Truppen
ohne Versöhnungsprozess sei schwer vorstellbar, sagte Trittin.
Auch der SPD-Bundestagabgeordnete Rolf Mützenich warb im Rahmen der
Diskussionsreihe Dellbrücker Forum für eine stärkere Rolle der UN im
Irak. Einer deutschen Beteiligung an einer möglichen UN-Blauhelmtruppe
steht der SPD-Nahostexperte jedoch skeptisch gegenüber. *Eine solche
Stabilisierungstruppe würde mit Sicherheit in schwere Kämpfe
verwickelt*, warnte Mützenich. Außerdem wäre Deutschland dem
Politiker zufolge mit einem solchen Einsatz zusätzlich zur
Afghanistan-Mission überlastet.
Andreas Zumach, Fachjournalist für Sicherheitspolitik, sieht keine
Chance für eine Verbesserung der Lage im Irak, solange die US-Truppen
im Land sind. Er plädierte für eine internationale
Stabilisierungstruppe, an der sich unter bestimmten Umständen auch
deutsche Soldaten beteiligen könnten. Darüber hinaus forderte Zumach
mehr Unterstützung für die rund 4,5 Millionen Iraker, die vor der
andauernden Gewalt geflohen seien.
Nach Einschätzung des US-Politikwissenschaftlers John Hulsman ist die
US-Strategie des vergangenen Jahres zur Lösung der Krise im Irak
fehlgeschlagen. Es sei weder gelungen, die Milizen zu entwaffnen, noch
die Öleinnahmen des Landes gerecht zu verteilen. Auch sei es misslungen,
die sunnitische Minderheit im Irak oder die irakischen Nachbarstaaten
Syrien und Iran in eine politische Lösung einzubeziehen. *Das war ein
komplettes Desaster*, sagte Hulsman