Experten: US-Truppen im Irak richten großen Schaden an
 
Köln (epd). Die Besatzungstruppen der USA haben im Irak nach
Einschätzung von Experten großen Schaden angerichtet. Die
Perspektiven für die Stabilisierung und Demokratisierung des Landes
hätten sich deshalb deutlich verschlechtert, sagte der
Friedensforscher Jochen Hippler am Montagabend in Köln. Bei einer
Podiumsdiskussion betonte Hippler: «Die Stimmung in weiten Teilen der
irakischen Bevölkerung ist nicht mehr reparabel.» Die
Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur vertrat die Auffassung, dass
die Amerikaner «jeglichen Kredit» verspielt hätten.
 
Nach Ansicht der Wissenschaftler wird eine UN-Resolution an diesem
Problem nichts ändern. Die Vereinten Nationen (UN) würden im Irak
nicht als neutrale Institution wahrgenommen, sondern als «eine Art
Unterabteilung der amerikanischen Regierung», sagte Hippler. «Die
Menschen im Irak sind relativ abgestumpft gegenüber UN-Resolutionen
und allem sonstigen, was von außen kommt», erklärte Amirpur.
 
Nach Einschätzung des Duisburger Nahost-Experten Hippler war die
Mehrheit der Bevölkerung unmittelbar nach Kriegsende bereit, die
alliierten Truppen als Besatzer zu akzeptieren. Mittlerweile hätten
nicht nur die Berichte über Folterungen und Demütigungen einen
Stimmungsumschwung verursacht. Auch Probleme bei der
Wiederherstellung der Infrastruktur sorgten für Unmut. «Die Leute
werfen Washington vor, das Land zu kontrollieren, aber die banalsten
Dinge nicht in den Griff zu bekommen, wie die Müllabfuhr und die
Stromversorgung», sagte Hippler.
 
Der Schlüssel für die Stabilisierung des Irak sei der Aufbau einer
irakischen Politik mit eigenen Parteien und eigenen demokratischen
Strukturen, sagte der Politikwissenschaftler. Nur die Entwicklung
einer politischen Kultur und ihre praktische Umsetzung könne das Land
dauerhaft stabilisieren. «Wenn da nichts wächst, können auch die
Amerikaner und die Europäer nichts tun», sagte Hippler. Doch dieser
Prozess benötige «nach 35 Jahren erstickender Diktatur» eine sehr
lange Zeit. (d61851/8.6.2004)
 
epd-West igs fri/ros