Wir würden auch auf Deutsch predigen
VON A. CAMPOS DA PONTE, 07.04.06

Heike Wehner ist Lehrerin an einer Grundschule in Kalk. Der Anteil an
Migranten liegt dort nach ihren Worten bei 83 Prozent. "Probleme treten
allerdings nicht nur bei Kinder mit Migrationshintergrund, sondern auch
bei den deutschen Schülern auf. Schlechte Sprachkenntnisse,
Arbeitslosigkeit und Drogenmissbrauch der Eltern sind auf beiden Seiten
Gründe dafür. Die Schule bietet oft den einzigen Halt für die Kinder,
die sagen, dass sie gar kein Wochenende haben wollen", erklärte
Wehner.

Wehner schaffte den Praxisbezug, als am Mittwochabend in der
Christuskirche in Dellbrück "Abschied von Multi-Kulti: Wer schafft die
Integration" Thema einer Podiumsdiskussion war. Dass einer der Gründe
für das Scheitern von Integration auch in ungenügenden
Deutschkenntnissen liegt, wurde von keinem der Teilnehmer bestritten.
"Wir wollen Sprachförderung schon ab dem vierten Lebensjahr
einführen, so dass die sprachlichen Probleme der Kinder bis zur
Einschulung behoben sind", kündigte Armin Laschet an, als Minister der
NRW-Landesregierung unter anderem für Integration zuständig.

"Wir würden auch auf Deutsch predigen. Allerdings stellt das Land nicht
das Geld zu Verfügung, um die nötige Ausbildung zu finanzieren", hielt
Bekir Alboga, Sprecher der Türkisch-Islamischen Union DITIB, dem
entgegen. Die DITIB plant in Ehrenfeld zurzeit den Bau einer großen
Zentralmoschee, bietet unter anderem auch Sprachkurse an und setzt nach
Albogas Darstellung für eine Mitgliedschaft in ihren Reihen die
Akzeptanz des deutschen Grundgesetzes voraus.

Nur ein geringer Anteil der Muslime in Deutschland fühle sich von
Verbänden wie der DITIB ausreichend vertreten, erklärte der türkische
Journalist Ahmet Senyurt "Auch in allen großen Parteien gibt es nur den
einen Quoten-Türken, der dann allgemein für die Integration zuständig
ist. Viele Migranten fühlen sich einfach nicht wahrgenommen", meinte
Senyurt.