Wir brauchen eine gemeinsame Leitkultur
VON CHRISTOPH HOFFMANN, 06.04.06, 22:45h
Integration und ihre Folgen waren das Thema im Dellbrücker Forum, bei dem auch NRW-Minister Armin Laschet sprach.

Köln - Stehen Moslems in Deutschland unter einem Generalverdacht? "Ja natürlich, ich habe jeden Tag den Eindruck, dass es diesen Verdacht gegen uns gibt und wir uns ständig für alles rechtfertigen müssen", zürnte Bekir Alboga, Sprecher der Türkisch-Islamischen Union Ditib während des "Dellbrücker Forums" in der Christuskirche. Mehr als 200 Besucher waren gekommen, es ging um das Thema Integration.

Ob es inzwischen zwei parallele Welten gebe, fragte Moderator Henze, und Heike Wehner, Konrektorin einer Gemeinschaftsgrundschule in Köln-Kalk, von deren Schülern 83 Prozent aus Einwandererfamilien stammen, sagt deutlich "Ja"; ihre Tochter besuche ein Gymnasium in Bensberg - "das ist natürlich kein Vergleich". Ihre Schüler in Kalk brächten nichts zu essen mit und seien oft noch nicht mal ordentlich angezogen. "Wie auch", seufzt sie; *meist sind die Kinder ja die einzigen, die morgens aufstehen. Die Eltern sind arbeitslos." NRW-Integrationsminister Armin Laschet betonte, dass die Sprachförderung schon in der Grundschule wichtig sei. "Deshalb wollen wir ab dem vierten Lebensjahr den Sprachstand in Tests überprüfen." Verhaltener Applaus.

Der freie Journalist Ahmet Senyurt forderte von Ditib, "mit den anderen türkischen Vereinen in Deutschland einen Dachverband" zu gründen, damit es endlich einen verbindlichen Ansprechpartner für Muslime in Deutschland gebe. *Zuwanderer sollen sich mit ihren Werten in die deutsche Gesellschaft einbringen", rief Laschet. "Wir brauchen eine gemeinsame Leitkultur", die Basis dafür müsse das Grundgesetz sein. "Es kann niemand seine Frau schlagen und sagen, das ist in meiner Kultur üblich."

"Alles schön und gut", befand Lehrerin Heike Wehner, "aber nur, wenn man einen gewissen Bildungsstand hat." Sie kenne Mütter, die kein Wort Deutsch könnten, "wie soll man sich da die Leitkultur Deutschlands aneignen?" Dies blieb nahezu der einzige Gefühlsausbruch in der ansonsten eher "kuscheligen" Runde, wie Moderator Henze am Ende enttäuscht feststellte. Lacher erntete Wehner, als sie von einem Brief erzählte, den ihre Schüler einem türkischen Lehrer zum Abschied schrieben. Er habe ihnen immer "Brötçien" mitgebracht, hatten sie ihn darin gelobt.