Nahost-Experten fordern Gespräche zwischen Israel und Hamas


Köln (epd). Nahost-Experten haben Israel und die bei den
Palästinenserwahlen siegreiche Hamas zu Verhandlungen aufgefordert.
«Ohne Hamas gibt es keine Lösung für den Konflikt in der Region»,
sagte der Duisburger Politikwissenschaftler Jochen Hippler am
Donnerstagabend in Köln. Sowohl die Hamas, die in ihrem Programm die
Zerstörung Israels anstrebe, als auch Israel müssten auf Gewalt
verzichten. In diesem Zusammenhang kritisierte Hippler die gezielten
Tötungen radikaler Palästinenser durch die israelische Armee.


Der israelische Journalist Igal Avidan beharrte bei einer
Podiumsdiskussion im Rahmen der Reihe «Dellbrücker Forum» der
evangelischen Kirche darauf, dass die Hamas den Staat Israel
anerkennen und einen Gewaltverzicht erklären müsse. Ohne Aussicht auf
ein Einlenken der radikalislamischen Palästinenserorganisation werde
es in Israel keine Mehrheit für einen weiteren Rückzug aus den
besetzten Gebieten geben, sagte Avidan. Die Hamas gilt in Israel als
Terrororganisation.


Der palästinensische Journalist Abed Othman traut der Hamas
Gesprächsbereitschaft zu. Sie habe «viel Pragmatismus gezeigt, als
sie noch in der Opposition war». Othman hält es für möglich, dass die
Hamas-Führer den Staat Israel ohne die besetzten Gebiete anerkennen.
Viele Palästinenser erhofften sich von der Hamas die Chance auf ein
besseres Leben als unter der abgewählten Fatah-Partei, die als
korrupt und unfähig angesehen werde.


Auch der ehemalige Nahost-Korrespondent und jetzige SWR-Auslandschef
Jörg Armbruster schließt eine Abkehr der Hamas von ihrer Radikalität
nicht aus. «Die Hamas braucht eine gewisse Zeit, um sich in ihre neue
Rolle hineinzufinden», sagte Armbruster zum überraschend deutlichen
Wahlsieg der Hamas bei den Parlamentswahlen im Januar. Auch die
palästinensische Befreiungsorganisation PLO habe einst als
Terrororganisation gegolten, bevor sie zum Verhandlungspartner für
Israel geworden sei. «Ich halte es für möglich, dass es bei Hamas
eine ähnliche Entwicklung gibt», sagte Armbruster. (d20720/10.2.2006)
epd-West ago igl