Respekt für Wahlsieg der Hamas

Dellbrücker Forum plädiert für Anerkennung durch den Westen

Erfolg der Islamisten könnte ein Signal für den gesamten Nahen Osten sein.

VON CHARLES THIBO

Köln - Hamas sollte eine Chance bekommen, um sich als Regierungspartei in den palästinensischen Autonomiegebieten beweisen zu können - das war der Grundkonsens des Dellbrücker Forums am Donnerstagabend in Köln. Der israelische Journalist Igal Avidan nannte drei Bedingungen:die Anerkennung
Israels, die Anerkennung der zwischen Palästinenser und Israelis ausgehandelten Oslo-Verträge und die Verlängerung des geltenden Waffenstillstands. "Frieden mit der Hamas" lautet das Thema des Forums,
was Avidan zu einem launigen Spruch verleitete: "Frieden macht man mit Feinden, insofern eignet sich die Hamas gut dazu". Die Mehrheit der Israelis sehe die Bewegung als existenzielle Bedrohung. Er will die Gewaltbereitschaft der radikal-islamischen Gruppe keinesfalls beschönigen, hält aber die Hamas für professioneller als die bis vor kurzem noch  regierende Fatah, die sich durch Korruption und politische Unfähigkeit selbst diskreditiert habe. Insgesamt ist er vorsichtig optimistisch: Den Waffenstillstand wolle Hamas wohl weiter respektieren, auch die Anerkennung der Oslo-Verträge kann er sich vorstellen.

Bei der Anerkennung Israels wird es schwieriger. "Aus religiösen Gründe", sagte Avidan, "denn Hamas sieht Israel als islamisches Gebiet." Der Friedensforscher Jochen Hippler von der Universität Duisburg hält es für denkbar, dass die radikal-islamischen Palästinenser, wenn sie erst einmal die politische Verantwortung tragen, einen ähnlichen Wandel durchmachen wie
einst die PLO und die radikale Rhetorik über Borden werfen, um zu einer praktisch orientierten Politik überzugehen.

"Demgegenüber hat die Fatah als Opposition jetzt die Gelegenheit, sich selbst zu prüfen", sagte der palästinensische Journalist Abed Othman. Auch er sieht Hamas bereit zum Gewaltverzicht und zur Anerkennung von Israel. Die Frage sei aber, welches Israel Hamas anerkennen wolle. Israel in den heutigen Grenzen? In denen von 1967? Der jüngste Vorschlag der israelischen
Partei Kadima, einseitig einige Siedlungen im Westjordanland zu räumen und die Grenze festzulegen, sei inakzeptabel, sagte Othman.

Der frühere ARD-Nahostkorrespondent Jörg Armbruster sieht den Wahlsieg der Hamas als Omen für den gesamten Nahen Osten. Auch in Marokko, Jordanien oder Ägypten würden die Islamisten siegen, wenn diese Länder mit der Demokratisierung Ernst machen würden. "Der Westen muss dies akzeptieren,
wenn er Demokratie predigt", sagte Armbruster. Hippler stimmt zu: "Der Sieg de Hamas demonstriert das Scheitern der Idee einer säkularen Politik im Nahen Osten."