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"Wer zähmt die Globalisierung?"

 
Katholischer Theologe fordert politische Kontrolle der Finanzmärkte
 
Köln (epd). Eine stärkere Einflussnahme der Politik auf internationale Kapitalbewegungen hat der katholische Theologe Friedhelm Hengsbach gefordert. Dabei gelte es, globale Finanzinstitutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Welthandelsorganisation (WTO) in ihrer Macht zu schwächen und zu demokratisieren, sagte Hengsbach am Mittwochabend in Köln auf einer Diskussion zum Thema Globalisierung. Der Grünen-Politiker Ludger Volmer, Staatsminister im Auswärtigen Amt, warnte dagegen davor, die Kontrollfähigkeit einzelner Staaten überzubewerten.
 
Der Frankfurter Professor für Christliche Sozialwissenschaft forderte, den Begriff der Globalisierung zu «entzaubern». Globalisierung sei kein naturhafter Prozess, dem die Gesellschaften der Erde unterworfen seien. Es fehle vielmehr der politische Wille, Entscheidungen der vergangenen Jahre zurückzunehmen. Bereits in den 70er Jahren hätten viele Staaten bewusst darauf verzichtet, den Kapitalverkehr zu kontrollieren. Dies müsse rückgängig gemacht werden, sagte Hengsbach, der als führender Vertreter der katholischen Soziallehre in Deutschland gilt.
 
Nach Ansicht von Volmer müssen politische Lösungen für die Globalisierungsfolgen auf den Finanz- und Handelsmärkten auf der Ebene von Handelsräumen wie der Europäischen Union, Mercosur in Südamerika oder der asiatischen Handelszone ASEAN gefunden werden. "Der Rückfall in den Nationalstaat ist keine Lösung", betonte der Staatsminister. (02033/7.3.02)