Ministerin Kraft verteidigt Hochschulgesetz-Entwurf
 
Köln (KNA) NRW-Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft (SPD) hat
ihren Entwurf zu einem neuen Hochschulgesetz gegen Kritik
verteidigt. Die darin vorgesehenen Bachelor- und Masterabschlüsse
gewährleisteten eine bessere Struktur und ein schnelleres
Studium, sagte Kraft am Montagabend in Köln. Die Abschlüsse an
deutschen Universitäten seien damit international besser
vergleichbar. Zugleich blieben Breite und Qualität der
Universitätsausbildung erhalten.
 
Nach dem Entwurf sollen sich Studienanfänger in NRW ab dem
Wintersemester 2006/07 nur noch für Bachelor- und
Master-Studiengänge einschreiben können. Davon ausgenommen sind
die Staatsexamens-Studiengänge Medizin und Jura sowie die
Lehrämter. Zudem sollen die Hochschulen ihre Professoren künftig
selbst aussuchen können. Im Juni soll der Gesetzentwurf in den
Landtag eingebracht werden und am 1. Januar 2005 in Kraft treten.
Kraft äußerte sich bei einer Diskussionsveranstaltung des
«Dellbrücker Forums» zum Thema «Welche Eliten braucht das Land?»
 
Gegen Elite-Unis
 
Die Ministerin lehnte Elite-Universitäten erneut ab. Sie führten
zu Zwei-Klassen-Hochschulen. Eine Universität sei nie ganz Elite,
sondern nur in Teilbereichen, sagte die Politikerin. Es gelte,
die vorhandene Breite auf hohem Niveau zu stabilisieren,
Institute besser zu vernetzen und die Wissenschafts-Weltspitze
nur in ausgewählten Fächern anzupeilen. Die Auswahl dieser zu
fördernden Fachbereiche sei eine Aufgabe für Politik,
Wissenschaft und Wirtschaft, erklärte Kraft. Sie mahnte, nicht
nur Naturwissenschaften wie die Biotechnologie zu
berücksichtigen, sondern auch Geistes- und Kulturwissenschaften.
 
Kraft verteidigte das NRW-Modell zu Langzeit-Studiengebühren,
wonach Studierende nach dem Anderthalbfachen der
Regelstudienzeit, Studierende eines Zweitstudiums und solche über
60 Jahren seit diesem Sommersemester 650 Euro zahlen müssen.
Angesichts einer durchschnittlichen Studiendauer in NRW von 17
Semestern seien das ein Anreiz, das Studium motivierter anzugehen
und schneller zu beenden. Der grüne Bundestags-Fraktionsvize
Reinhard Loske mahnte, das Thema nicht isoliert zu betrachten,
sondern Bildungsfinanzierung als Ganzes in den Blick zu nehmen.
Er schlug vor, den Kindergartenbesuch kostenfrei anzubieten und
dagegen beim Studium Gebühren zu verlangen. Dabei müsse
allerdings eine soziale Auswahl ausgeschlossen werden.