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Porträt

Der Diplomat wird zum Anwalt

Hans von Sponeck, früher UN-Vertreter im Irak, klagt Westen an

Von Günter Otten

Mit ruhiger Stimme trägt er seine Argumente vor, beherrscht und wohl abgewogen formuliert er ein vernichtendes Urteil der westlichen Politik gegenüber dem Irak: "Was jetzt im Irak geschieht, ist eine Verletzung der Menschenrechte".

Hans von Sponeck (60) hat als Koordinator der UN-Hilfsprogramm in Bagdad die verheerenden Auswirkungen der UN-Sanktionen gegen den Irak aus nächster Nähe beobachten können. Nach siebzehn Monaten gab der Diplomat, der mehr als 30 Jahren im UN-Dienst stand, im März auf, der Erkenntnis folgend: "Wenn ich das weiter mitmache, mache ich mich mitschuldig". Dabei verweist er auf diese erschreckende Zahl: Bis zu 60.000 Kinder sind wegen der UN-Sanktionen im Irak gestorben, so eine Unicef-Studie.

Nun reist Sponeck durch die Hauptstädte und vertritt seine Überzeugung, die UN-Sanktionen müssten aufgehoben werden, weil sie das Regime Saddams nicht gefährden könnten. "Gestern Washington, morgen in Moskau und heute in Köln-Dellbrück", so die Begrüßung im Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche, wo er im "Dellbrücker Forum" diskutiert. Dort lässt Sponeck Fotos kreisen, die den Alltag in einer irakischen Schule zeigt: Schüler, die vor kargen Wänden auf groben Steinen sitzen - keine Bänke, kein Lehrmaterial. "Dass man den Jungen die Chance nimmt, sich auf ein Leben von morgen vorzubereiten, das ist der größte Vorwurf an die UN-Sanktionspolitik", sagt Sponeck.

Die Mittel für Nahrung, Arznei und Bildung kommen aus dem "Öl für Nahrung"-Programm des UN-Sicherheitsrates. Darüber hinaus ist jeder Handel mit dem Irak verboten. Damit soll Bagdad gezwungen werden, die Abrüstungs-Auflagen der UN nach dem Golfkrieg von 1991 einzuhalten. Das ist nur teilweise gelungen. Aber vor allem die USA widersetzen sich Versuchen, die UN-Politik zu ändern. In den USA hat Sponeck eine "Dämonisierung" des Irak beobachtet. Unwahr seien zum Beispiel Berichte, UN-Hilfsgüter würden nicht an die Menschen verteilt; das werde von 300 Beobachtern genauestens überwacht.

So gerät der zurückhaltende Diplomat zusehends in die Rolle des Anwaltes für das irakische Volk. Persönlichen Erfahrungen und Betroffenheit verschärfen seine Argumentation, so dass er im "Dellbrücker Forum" einmal von sich aus betont, es sei wirklich keine "Propaganda", was er berichte. Für Saddam wäre die Situation ohne Sanktionen schwieriger, denn dann könne er nicht alle Schuld für den Zustand seines Landes auf den Westen schieben. Jetzt verstärke sich in der Bevölkerung der Hass auf den Westen, warnt Sponeck.