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Die Wahrheit wird von Lügen beschützt



Auf dem Dellbrücker Forum stand die Kriegsberichterstattung auf dem Prüfstand Sonia Mikich, Walter Jertz und Bernd Gäbler diskutierten über Propaganda und Fälschung in den Medien.

 

VON KATRIN PEPPING
Köln - "Eine objektive Wahrheit gibt es in Kriegszeiten nicht. Jeder, der den Medien etwas sagt, hat auch bestimmte Interessen", erklärte Sonia Mikich, Leiterin und Moderatorin des ARD-Magazins "Monitor" auf dem jüngsten Dellbrücker Forum zu Fragen nach dem Wahrheitsgehalt in der Kriegsberichterstattung. Deshalb mahnte sie Zuschauer und Zeitungsleser auch zur generellen Skepsis: "Ich habe kein Vertrauen, den Darstellungen der Nato mehr zu glauben, als einer Kriegspartei."

Äußerungen der US-Regierung zum Krieg in Afghanistan geben ihr Recht: "Geheim selbst bei Erfolg" solle der Krieg geführt werden, kündigte Präsident Bush zu Beginn des Einsatzes Ende 2001 an. Der Moderator und WDR-Redakteur Arnd Henze erinnerte an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der mit Winston Churchill sogar argumentiert hatte: "In Kriegszeiten ist die Wahrheit so kostbar, dass sie stets von einer Leibwache aus Lügen beschützt werden sollte." Damit machte Rumsfeld unmissverständlich klar: Informationen werden als Waffe eingesetzt. Für  Fernsehzuschauer oder Zeitungsleser wird es so fast unmöglich, an halbwegs zutreffende Informationen zu gelangen. Im Vorfeld eines drohenden Irak-Kriegs bewegt die Frage nach unmanipulierten Informationen so viele Menschen, dass der Moderator die Veranstaltung kurzerhand aus dem Gemeindehaus in die Kirche verlegen musste.

Für eine Frau wie Sonia Mikich, die lange selbst aus Krisenregionen wie Tschetschenien oder Afghanistan berichtete, ist es trotz Manipulationsgefahr unerlässlich, sich ein eigenes, wenn auch noch so begrenztes Bild von einem Krisenschauplatz zu verschaffen. Nur so könne über eine Vielzahl von Berichten ein vielstimmiges Bild entstehen.

Als Leibwächter der Wahrheit, nach Churchills Spruch, sah sich General Walter Jertz nicht - viele der engagierten Zuhörer aber schon. Der Befehlshaber des Luftwaffenführungskommandos in Köln und militärische Sprecher der Nato im Kosovo-Krieg beteuerte, dass er sich als Militär entgegen der Kritik stets der Wahrheit verpflichtet gefühlt habe. Dennoch musste er unter zustimmenden Zwischenrufen einräumen, dass die Nato zu Beginn des Krieges durch bewusste Fehlinformation, beispielsweise nach dem Beschuss eines Flüchtlingskonvois, schwere Fehler begangen habe. Für die Desinformation mit verantwortlich machte er aber auch die Medien: "Wenn ich nichts Plakatives sage, schaut auch keiner hin."

Den drohenden Irak-Krieg vor Augen, warnte Bernd Gäbler, Geschäftsführer des Grimme-Instituts, vor einer "Zwangslogik": "Der Krieg darf nicht herbeigeredet werden". Deshalb forderte er einen Journalismus der Deeskalation.