Warnung vor zunehmender Lebensmittelknappheit und Hunger


Köln (epd)

 

Der stellvertretende Generaldirektor der
Welternährungsorganisation (FAO), Alexander Müller, hat vor
zunehmender Lebensmittelknappheit und Hunger in den
Entwicklungsländern gewarnt. Die Zahl der Hungernden sei weltweit auf
über 900 Millionen Menschen gestiegen, sagte Müller am
Donnerstagabend in Köln. Immer weniger Menschen könnten die teurer
gewordenen Lebensmittel bezahlen. Bevölkerungswachstum, knappe
Ressourcen wie Wasser, hohe Energiepreise und der Klimawandel würden
die Krise verschärfen.
Als Gegenmaßnahme mahnte Müller im Rahmen der evangelischen
Diskussionsreihe «Dellbrücker Forum» ein globales Konzept zur
Armutsbekämpfung an. Dabei müssten die Industriestaaten auch ihre
Handels- und Klimapolitik überdenken, sagte der frühere grüne
Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium. Ohne wirksame
Maßnahmen gegen Hunger und Armut würden immer mehr Flüchtlinge
versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.
Der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn,
Dirk Messner, forderte die westlichen Länder auf, mehr in die
Landwirtschaft armer Länder zu investieren. Außerdem sollten die
Menschen im Westen ihr Ess- und Konsumverhalten überdenken. So seien
unter anderem für den hohen Fleischkonsum der Industriestaaten
riesige Ackerflächen nötig. «Wenn Inder und Chinesen unsere
Ernährungsgewohnheiten kopieren, dann können wir die globalen
Ernährungsprobleme nicht lösen», betonte der Entwicklungsexperte.
Der ägyptische Politikwissenschaftler Amr Hamzawy verwies auf
politische Faktoren, die zusammen mit wirtschaftlichen Ursachen die
Welternährungskrise verschärften. Mit Blick auf den Nahen Osten sagte
Hamzawy, ohne eine Diskussion über Misswirtschaft und Korruption der
herrschenden Eliten seien die Probleme nicht zu lösen.
Nach Einschätzung von Golineh Atai, langjährige
Nahost-Korrespondentin der ARD, profitieren vor allem radikale Kräfte
in arabischen Ländern von Spannungen durch die teurer gewordenen
Lebensmittel. «Ich sehe viel Potenzial für eine Radikalisierung in
der Region», sagte Atai. In Ägypten hatte eine Anhebung der
Brotpreise zu Streiks und Auseinandersetzungen geführt. Die
ägyptische Regierung hatte schließlich die Armee eingesetzt, um Brot
zu verteilen.