Pax Americana: Zuviel USA - zuwenig Europa?
  
Streitgespäch über die Zerwürfnisse in den interantionalen Beziehungen auf dem Dellbrücker Forum mit Janusz Styczek aus Polen, Gary Geipel aus den USA,
Frank-Paul Weber aus Frankreich und Rolf Mützenich aus Deutschland.

In Washington fand vergangenen Mittwoch ein europäisch-amerikanisches Gipfeltreffen statt. Diplomaten bezeichneten das als „großen Schritt“ der Annäherung zwischen Europa und den USA, deren Verhältnis seit den Ereignissen des Irakkrieges angespannt ist. Auch in Dellbrück fanden sich zum letzten Forum vier Gäste unterschiedlicher Herkunft, um über die Unwetterlage der internationalen Beziehungen zu diskutierten.

Gary Geipel, Vizepräsident des Hudson- Institus, eines konservativen think tank, findet nicht, dass es „zuviel“ USA in der Weltpolitik gibt: „ Wir spielen nun mal eine wichtige Rolle dabei, das liberale Wertesystem zu etablieren. Wird es verletzt, muss man dem entgegenwirken.“ Dabei beziehe sich Bushs Zitat „Entweder man ist für uns oder mit unseren Feinden“ lediglich auf die Position eines Landes im Kampf gegen den Terrorismus. „Natürlich lassen wir auch andere neben uns zu.“, beschwichtigt er Zuhörer, die durch Zwischenrufe protestieren. „Wir brauchen beispielsweise die Kompetenz der Europäer beim nationbuilding, also beim Aufbau eines demokratischen Irak.“

Frank Paul Weber, der in Berlin als Korrespondent von La Tribune arbeitet, hält dagegen, dass es die Weltgemeinschaft nicht weiterbringt, „wenn die USA kocht und die Europäer den Abwasch machen“. Die Sichtweise der USA sei darüber hinaus einseitig: „Wieso ist eine Befriedung des Irak dringender als eine von Guinea Bisao? Dort regiert ein ebenso abscheulicher Diktator wie Hussein es einer war.“
Dass Chirac in seiner Position gegen den Krieg zum Sprachrohr der europäischen Öffentlichkeit wurde, sei Zufall gewesen. Er habe die Chance genutzt, zu polarisieren. Das sei deutlich zu weit gegangen, als er den neuen EU- Mitgliedsstaaten vorwarf, sie hätten „ihre einmalige Chance, die Klappe zu halten, verpasst.“

„Das hat uns gezeigt, dass Polen in der EU nicht gleichberechtigt ist, wenn es ernst wird.“, so Janusz Styczek,Leiter der politischen Abteilung des polnischen Honorarkonsulats in Köln.
Dabei habe Polens Stellungnahme für den Irakkrieg lediglich der Meinung Frankreichs und Deutschlands widersprochen. Den „Brief der acht“ hätten schließlich die meisten anderen EU- Mitgliedssaaten befürwortet.

„Trotzdem: Will Polen die EU für den Wohlstand und die USA für die Sicherheit?“, hakt WDR- Redakteur und Moderator Arnd Henze nach. Dagegen wehrt sich Styczek: „Unsere Mitgliedschaft in der EU und in der Nato stellt keinen Widerspruch dar. Waren das in den letzten fünfzig Jahren nicht auch zwei Säulen deutscher Außenpolitik?“
Er hält den Ausbau einer eigenen EU-Sicherheitspolitik für dringend erforderlich. „Aber die Nato ist und bleibt in diesem Zusammenhanf am wichtigsten.“
Dagegen sei die UNO, so Janusz Styczek, den Herausforderungen der Weltpolitik nicht mehr gewachsen.

Rolf Mützenich ist anderer Meinung und erntet dafür viel Applaus: „ Statt einem neuen Wettrüsten brauchen wir den Dialog zwischen den Ländern. Der wird durch die UNO möglich.“ Auch sei nicht das Militär identitätsstiftend für Europa, sondern die gemeinsame Verfassung. „Das ist ein Fortschritt, der mich optimistisch macht: Die Europäische Union wird dadurch zum Erfolgsmodell weltweit.“

Die Zuhörer griffen mit ihren Fragen hauptsächlich die Problematik auf, die sich durch die dominante Rolle der USA in der Welt ergibt. Dabei schien Gary Geipel an Gegenstimmen aus dem Publikum gewöhnt zu sein, als er US-Präsident Bush verteidigte: „Seine Politik bricht doch endlich  damit, dass die USA Verträge mit Diktatoren schloss, solange die nur genug Öl hatten.“ Allerdings empfindet er Teile der Kritik an den USA sehr wohl als legitim: „Wir müssen die Nato als transatlantisches Forum stärker mit einbeziehen.“ Und das Verhältnis zu Europa müsse „zu einer Superpartnerschaft werden“.

Im Vierländergespräch auf dem Dellbrücker Forum gingen die Gäste trotz unterschiedlicher Ansichten nicht aufeinander los. Stattdessen setzten sich die Diskutierenden auch mit der eigenen Rolle selbstkritisch auseinander und näherten sich auf diese Weise der Position des anderen an.

Beim Kölsch vor dem Gemeindehaus konnten Zuhörer und Referenten anschließend die Gespräche vertiefen und das 10jährige Jubiläum des Forums nachfeiern, das letztes Jahr schlicht vergessen wurde.

Alina Fichter, im Juni 2003