Hilfe muss schnell wirksam sein
Dellbrücker Forum über Erfolg und Misserfolg in Afghanistan
Winfried Nachtwei: Winterpause für politische Initiativen nutzen.
 
VON ASTRID WIRTZ

Köln - Für internationale Helfer wie Soldaten ist es ungemütlich geworden in Afghanistan. Fünf Jahre nach
der Petersberg-Konferenz zum Wiederaufbau des Landes sehen sie sich eskalierender Gewalt gegenüber.
Der Gewalt eines Gegners, der in seiner Vielfalt schwer zu fassen ist und dessen wachsende Schlagkraft
durch die sagenhaften Einnahmen aus dem Mohn-Anbau geradezu befeuert scheint. Derweil verblassen
die Aufbauleistungen. Bilanz zu ziehen ist daher notwendig und bitter, wie die Diskussion auf dem "Dellbrücker Forum",
einer Veranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde Dellbrück, zeigte. Und dennoch trat anders als das Publikum
keiner der Diskutanten für den Abbruch des einst so hoffnungsvollen Projektes Afghanistan ein.

Winfried Nachtwei, verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen: "Wir müssen der deutschen Bevölkerung stärker klarmachen, was
wir da tun." Für Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, ist die Sache klar: "Damit
sich der 11. September nicht wiederholt." Doch daran mochten die Zuhörer schon gar nicht glauben nach
den Folgeanschlägen von Bali, Madrid, London und anderen. Als wesentliche Ursache des derzeitigen
Misserfolgs in Afghanistan erscheint Polenz die Zurückhaltung der internationalen Gemeinschaft,
die von vorneherein nicht bereit gewesen sei, mehr Soldaten zu stellen.
Vor einem Krieg gegen die Bevölkerung warnte der Afghanistan-Experte Conrad Schetter. Und auch
Nachtwei will ein Mehr an Soldaten nicht befürworten. Stattdessen solle die Winterpause für die Politik genutzt werden.
"Es geht um eine Strategie der guten Beispiele." Den Kampf um die Herzen der Afghanen
will auch Roman Waschuk, kanadischer Botschaftsrat, verstärkt auf nehmen. Kanada ist derzeit im Rahmen
der Nato-Truppen verantwortlich für den Süden des Landes.
Damit die Afghanen den Nutzen der internationalen Präsenz stärker
wahrnähmen, müssten die Aufbauprojekte schneller sichtbar werden,
hieß es. Für langfristige Hilfe scheint in Afghanistan niemand mehr den Atem zu haben. Dass Militäreinsatz die Mittel verschlingt, die
für den Aufbau fehlen, mag eine Zahl zeigen: Allein das Trinkwasser für die Nato-Soldaten kostete 2005
rund 58 Millionen Dollar.