Polenz und Nachtwei gegen schnellen Abzug aus Afghanistan


Köln (epd). Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag,
Ruprecht Polenz (CDU), hat sich gegen einen schnellen Abzug der
internationalen Truppen aus Afghanistan ausgesprochen. Das Land
angesichts der eskalierenden Gewalt sich selbst zu überlassen, wäre
ein großer Fehler, sagte Polenz am Montagabend in Köln. «Es stimmt,
dass die Sicherheit Deutschlands auch am Hindukusch verteidigt wird»,
sagte der CDU-Politiker. Er erinnerte daran, dass die Attentäter vom
11. September 2001 in Lagern des Terrornetzwerkes El Kaida in
Afghanistan trainiert worden waren.
«Es geht darum, die politischen Prozesse so zu stabilisieren, dass
sie selbst tragend werden», sagte Polenz. Dies werde lange dauern und
sei mit Militär allein nicht zu machen. Die internationale
Gemeinschaft solle dafür wieder mehr Gewicht auf Hilfsprojekte für
das Land legen, mahnte der Bundestagsabgeordnete im Rahmen der
Diskussionsreihe Dellbrücker Forum.
Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag,
Winfried Nachtwei, hält den weiteren Einsatz der internationalen
Afghanistan-Unterstützungstruppe ISAF, an der auch Bundeswehrsoldaten
beteiligt sind, für unverzichtbar. «Es geht darum, ein Land, dass 23
Jahre Krieg erlebt hat, Richtung Frieden zu unterstützen», sagte
Nachtwei. Der Grünen-Politiker kritisierte jedoch die parallel
verlaufenden Einsätze im Rahmen der Antiterror-Mission Enduring
Freedom. Diese Militäreinsätze schafften mehr Probleme, als sie
lösten.
Nach Einschätzung von Conrad Schetter, Afghanistanexperte am Zentrum
für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, trifft der
Militäreinsatz gegen die Taliban immer stärker die Bevölkerung im
Süden des Landes. Wenn Zivilisten und Moscheen bombardiert würden,
führe das zur Solidarisierung mit den Taliban, warnte Schetter.
(d125067/5.12.2006)
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